Der Darm sieht mit: Was unser Mikrobiom mit Augengesundheit zu tun hat

Nahaufnahme eines blauen Auges neben einer schematischen Darstellung des menschlichen Darms mit bunten Bakterien, verbunden durch leuchtende Wellenlinien
Das Wichtigste im Überblick
  • Zwischen Darm und Auge besteht offenbar eine enge Verbindung, die sogenannte Darm-Augen-Achse.
  • Eine gestörte Darmflora (Dysbiose) kann über eine durchlässigere Darmbarriere, weniger schützende Stoffwechselprodukte und eine schlechtere Nährstoffaufnahme das Auge indirekt beeinflussen.
  • Bei Makuladegeneration (AMD) zeigen Studien Unterschiede in der Darmflora gegenüber gesunden Menschen.
  • Auch beim Glaukom werden zunehmend immunologische Zusammenhänge mit der Darmflora diskutiert – nicht nur der Augeninnendruck.
  • Die Forschung steht noch am Anfang; das Mikrobiom ist keine Alleinursache, aber Ernährung und Darmgesundheit können Teil eines ganzheitlichen Ansatzes für die Augen sein.

Wenn wir an gesunde Augen denken, kommen uns meist Netzhaut, Sehnerv oder Augeninnendruck in den Sinn – selten der Darm. Doch das könnte sich ändern: Immer mehr Studien deuten auf eine Verbindung zwischen Darmflora und Augengesundheit hin, die Fachleute als Darm-Augen-Achse (Gut-Retina-Axis) bezeichnen. 

Billionen Mitbewohner, große Wirkung

Im menschlichen Darm lebt ein hochkomplexes Ökosystem aus Billionen von Mikroorganismen. Entscheidend für unsere Gesundheit ist dabei weniger die reine Menge als das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Bakterienarten. Gerät dieses System aus der Balance – man spricht dann von einer Dysbiose – kann das Folgen haben, die weit über Verdauungsbeschwerden hinausgehen.

Forscher diskutieren mehrere Wege, über die eine gestörte Darmflora die Augen erreichen könnte:

  • Durchlässigere Darmbarriere: Entzündungsstoffe gelangen leichter in den Blutkreislauf und können systemische Entzündungen begünstigen.

  • Weniger schützende Stoffwechselprodukte: Gesunde Darmbakterien bilden unter anderem kurzkettige Fettsäuren, denen eine schützende Rolle für das Netzhautgewebe zugeschrieben wird.

  • Schlechtere Nährstoffaufnahme: Ein gestörter Darm kann Nährstoffe aus Ernährung oder Nahrungsergänzung schlechter verwerten.

Ein gesunder Darm ist damit eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Nährstoffe die Augen überhaupt erreichen.

EYKÄR Kollektion  Der Darm spielt eine größere Rolle für die Augengesundheit, als man denkt.

Makuladegeneration: Auffällige Unterschiede in der Darmflora

Bei der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) ist die Darm-Augen-Achse bereits Gegenstand mehrerer Studien. Dabei zeigte sich, dass sich die Darmflora von Menschen mit fortgeschrittener AMD von der gesunder Menschen unterscheiden kann – bestimmte Bakteriengruppen kommen bei Betroffenen offenbar häufiger vor.

Als mögliche Erklärungen werden verschiedene Mechanismen diskutiert, darunter:

  • eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmbarriere mit begleitenden Entzündungsprozessen im Körper,

  • eine mögliche Beteiligung des Komplementsystems – ein Teil des Immunsystems, der auch bei der Entstehung der Makuladegeneration eine Rolle spielt,

  • ein veränderter Gehalt an schützenden bakteriellen Stoffwechselprodukten, wenn das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht gerät.

Glaukom: Nicht nur eine Frage des Augeninnendrucks

Auch beim Glaukom (grüner Star) erweitert sich der wissenschaftliche Blick zunehmend. Lange Zeit stand fast ausschließlich der Augeninnendruck im Zentrum der Betrachtung. Heute untersuchen Forschende zusätzlich immunologische, vaskuläre und neurologische Zusammenhänge – und dabei rückt auch das Mikrobiom ins Blickfeld.

Mehrere aktuelle Untersuchungen, darunter genetische Studien mit der Methode der sogenannten Mendelschen Randomisierung, liefern Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen bestimmten Darmbakterien und dem Glaukomrisiko. Das primäre Offenwinkelglaukom wird inzwischen auch unter immunologischen Gesichtspunkten betrachtet: Fehlregulationen des Immunsystems könnten zur Schädigung der Sehnervenfasern beitragen. Da der Darm bekanntlich einen erheblichen Einfluss auf das Immunsystem hat, liegt die Frage nahe, welche Rolle Veränderungen der Darmflora dabei spielen.

Beim Glaukom scheint also nicht allein der Augeninnendruck entscheidend zu sein – auch die Widerstandsfähigkeit des Sehnervs sowie entzündliche und immunologische Vorgänge im gesamten Körper rücken zunehmend in den Fokus.

Ein wichtiger Hinweis zur Einordnung

So spannend diese Erkenntnisse sind: Die Forschung zur Darm-Augen-Achse steckt noch in den Anfängen. Das Mikrobiom ist weder die alleinige Ursache einer Makuladegeneration noch eines Glaukoms. Die bisherigen Studien erweitern unser Verständnis dafür, wie eng die Augengesundheit mit der Gesundheit des restlichen Körpers verknüpft sein kann.

Was man selbst für ein gesundes Mikrobiom tun kann

Die gute Nachricht: Die Zusammensetzung der Darmflora lässt sich durch Ernährung und Lebensstil zumindest teilweise beeinflussen. Ein paar einfache Stellschrauben können helfen, gute Bedingungen für ein vielfältiges Mikrobiom zu schaffen:

  1. Bunt statt einseitig essen – je abwechslungsreicher der Speiseplan an pflanzlichen Lebensmitteln ist, desto vielfältiger kann sich auch die Darmflora entwickeln.

  2. Auf Ballaststoffe setzen – Hülsenfrüchte, Vollkorn und Gemüse liefern das Material, aus dem Darmbakterien wertvolle Fettsäuren herstellen.

  3. Fermentiertes probieren – Joghurt, Kefir oder Sauerkraut bringen von Natur aus nützliche Bakterienkulturen mit.

  4. Weniger stark Verarbeitetes – je seltener Fertigprodukte auf dem Teller landen, desto besser für die Darmbarriere.

  5. Bittere Lebensmittel einplanen – Chicorée, Rucola oder Artischocke können die Verdauung auf natürliche Weise anregen.

Ein zentraler Punkt der Darm-Augen-Achse: Selbst eine gute Ernährung nützt wenig, wenn Vitalstoffe nicht dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Hinter den EYKÄR-Sets steht deshalb eine durchdachte Versorgungsstrategie: Sie kombinieren eine breite Nährstoffbasis für jeden Tag mit hochspezialisierten Vital-Formulierungen. Deshalb ist GENERAL fester Bestandteil all unserer 4 Spezial-Sets.

Fazit: Augengesundheit beginnt nicht erst im Auge

Die Forschung rund um die Darm-Augen-Achse zeigt einmal mehr: Unsere Augen stehen nicht für sich allein. Mikrobiom, Immunsystem, Stoffwechsel und Entzündungsprozesse sind auf vielfältige Weise miteinander verbunden – gerade bei chronisch-degenerativen Erkrankungen wie Makuladegeneration und Glaukom lohnt sich deshalb ein Blick über den Tellerrand des Auges hinaus.

Wer aktiv etwas für seine Augen tun möchte, sollte also nicht nur Netzhaut, Sehnerv und Augeninnendruck im Blick behalten, sondern auch auf eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde, vielfältige Darmflora achten. Die Darm-Augen-Achse macht eindrucksvoll deutlich: Gesunde Augen beginnen manchmal ganz woanders.

Quellen

Zhang, Haiyan und Ya Mo (2025). The gut-retina axis: a new perspective in the prevention and treatment of diabetic retinopathy. Frontiers in Endocrinology. Zur Studie

Michaela Noll
Über die Autorin
Michaela Noll

Gründerin und Geschäftsführerin von Augenakupunktur Noll und EYKÄR. Staatlich geprüfte Heilpraktikerin und Absolventin der Heilpraktikerschule Dr. Jung in Kronberg (Taunus). Zertifizierte Akupunkteurin nach Prof. John Boel.