Feuchte AMD – das Krankheitsbild
Die feuchte altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist die aggressivere Form der Makuladegeneration und verantwortlich für den Großteil schwerer Sehverluste im höheren Lebensalter. Charakteristisch für die Erkrankung ist das unkontrollierte Wachstum krankhafter Blutgefäße aus der Aderhaut in die Netzhaut.
Auslöser dieses Prozesses ist eine Überexpression des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors (VEGF). VEGF wird vor allem vom retinalen Pigmentepithel (RPE) gebildet und ist unter physiologischen Bedingungen notwendig, um die Durchblutung und Funktion der Netzhaut aufrechtzuerhalten.
Unter pathologischen Bedingungen steigt die VEGF-Produktion jedoch deutlich an. Etwa durch:
1. Oxidativen Stress
2. Chronische Entzündungsprozesse
3. Altersbedingte strukturelle Veränderungen
Feuchte AMD – Behandlung durch Injektionen
Die Standardtherapie der feuchten AMD besteht heute aus intravitreale Anti-VEGF-Injektionen. Dabei werden Medikamente direkt in den Glaskörper des Auges injiziert, die VEGF binden oder neutralisieren.
Anti-VEGF-Wirkstoffe hemmen krankhaftes Gefäßwachstum, reduzieren Leckagen und Makulaödeme und können die Sehschärfe stabilisieren oder verbessern.
Die Therapie verlangsamt den Krankheitsverlauf, ist jedoch keine Heilung und erfordert regelmäßige Wiederholungen über lange Zeiträume. Trotz Behandlung kommt es häufig zu einem fortschreitenden Funktionsverlust der Netzhaut.
Da VEGF auch wichtige Schutzfunktionen für Netzhaut und Gefäße erfüllt, rückt zunehmend das Interesse an ergänzenden Ansätzen in den Fokus, die VEGF modulieren statt vollständig blockieren.
Das Potenzial von Fucoidanen aus Braunalgen (Fucus vesiculosus) bei feuchter AMD
Was sind Fucoidane?
Fucoidane sind sulfathaltige Polysaccharide, die in Braunalgen vorkommen, darunter auch in Fucus vesiculosus. Sie gehören strukturell zu den sogenannten fucans und zeichnen sich durch einen hohen Anteil an L-Fucose und Sulfatgruppen aus.
Aufgrund ihrer Struktur zeigen Fucoidane vielfältige biologische Effekte, darunter:
- anti-angiogene Eigenschaften,
- entzündungsmodulierende Effekte,
- Beeinflussung von VEGF-abhängigen Signalwegen
Fucoidane und VEGF: zentrale Erkenntnisse aus der Forschung für die Behandlung der feuchten Makuladegeneration
Eine wegweisende experimentelle Studie aus Kiel untersuchte gezielt den Einfluss von Fucoidan aus Fucus vesiculosus auf Prozesse, die für die feuchte AMD entscheidend sind.
Die wichtigsten Ergebnisse:
- Fucoidan reduziert die VEGF-Expression und -Sekretion im retinalen Pigmentepithel.
- Der Effekt zeigte sich sowohl in menschlichen RPE-Zelllinien als auch in RPE-Aderhaut-Organkulturen.
- Fucoidan wirkte nicht toxisch und beeinträchtigte zentrale RPE-Funktionen wie Zellviabilität oder Phagozytose nicht.
- Zusätzlich wurde eine deutliche Hemmung der Angiogenese beobachtet, selbst wenn angiogene Prozesse durch VEGF oder RPE-Sekrete stimuliert wurden.
- Bemerkenswert: Fucoidan konnte VEGF auch dann reduzieren, wenn es zusätzlich zu Bevacizumab (Anti-VEGF) eingesetzt wurde, was auf komplementäre Wirkmechanismen hindeutet.
Einordnung im Kontext der aktuellen AMD-Therapie
Eine umfassende Übersichtsarbeit aus dem International Journal of Molecular Sciences bestätigt diese Befunde und ordnet sie systematisch ein.
Zentrale Schlussfolgerungen:
- Fucoidane können VEGF nicht vollständig blockieren, sondern auf regulatorischer Ebene beeinflussen.
- Die Wirkung ist stark abhängig von Algenart, Molekulargewicht, Sulfatierungsgrad, und Extraktionsverfahren.
- Fucoidane aus Fucus vesiculosus zeigen klare VEGF-hemmende Effekte in RPE-Zellen, jedoch variieren Stärke und Konsistenz je nach Präparation.
Gerade dieser modulierende Ansatz ist aus therapeutischer Sicht interessant: Statt VEGF radikal zu unterdrücken, könnten Fucoidane dazu beitragen, pathologisch erhöhte VEGF-Spiegel zu normalisieren, während physiologische Schutzfunktionen erhalten bleiben.
Fucoidan aus Braunalgen (Fucus vesiculosus) könnte die VEGF-Produktion bei feuchter AMD positiv beeinflussen.Fazit – feuchte AMD & Braunalge: Ein klares Bild aus der aktuellen Forschung
Fucoidane aus Braunalgen-Extrakt (Fucus vesiculosus) weisen ein relevantes biologisches Potenzial im Zusammenhang mit der feuchten AMD auf. Sie wirken anti-angiogen, senken die VEGF-Aktivität auf zellulärer Ebene und zeigen in experimentellen Modellen ein gutes Sicherheitsprofil.
Wichtig ist dabei eine klare Einordnung: Fucoidane stellen keinen Ersatz für Anti-VEGF-Injektionen dar. Die bisher verfügbaren Erkenntnisse beruhen auf in-vitro- und präklinischen Untersuchungen.
Gleichzeitig liefern diese Ergebnisse eine solide wissenschaftliche Grundlage für weiterführende Forschung – insbesondere mit Blick auf ergänzende, langfristig verträgliche Ansätze, die den Verlauf der feuchten AMD ganzheitlicher unterstützen könnten.
Michaela Noll
EYKÄR – ENERGY FOR EYES.
